“Ich wollte keinen Krieg”
Elbenberger zertrümmert aus Protest gegen die GEZ seinen Fernseher
Drei Schläge, dann war alles vorbei. So oft musste Werner Käseberg am Donnerstag ausholen, bis er mit einem Beil die Bildröhre seines Fernsehers zertrümmert hatte - aus Protest gegen die Rundfunkgebühren, die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) und den Hessischen Rundfunk.
Es ist nur ein leichtes Klirren zu hören, als sich die scharfe Kante des Beils ins Glas bohrt. Dicke Scherben fallen zu Boden. Um sicher zu gehen, schlägt Werner Käseberg auch noch die letzten Glasstücke aus dem roten Gehäuse. “Jetzt kann jeder sehen, dass dieser Fernseher nichts mehr empfängt”, sagt er der 59-Jährige mit Genugtuung.
Währenddessen blicken Nachbarn neugierig aus den Fenstern, betrachten argwöhnisch das seltsame Treiben. “Das ist mir egal, was die denken”, erklärt Käseberg. Denn seine eigenwillige Aktion hat schließlich nur ein Ziel: “Ich will öffentlich zeigen, dass mein Haus rundfunkgebührenfrei ist.” Das war aus einer Sicht notwendig geworden, nachdem er vergangene Woche vor dem Verwaltungsgericht Kassel einen Rechtsstreit mit dem Hessischen Rundfunk verloren hatte.
Da Käsebergs alter Fernseher nach der hessenweiten Einführung des Digitalfernsehens seit vergangenem Mai keine öffentlich-rechtlichen Programme mehr empfängt, hatte sich der 59-Jährige geweigert, weiter Rundfunkgebühren zu zahlen.
Denn einen speziellen Decoder wollte sich der Elbenberger nicht kaufen. “Dazu kann mich niemand zwingen”, betonte er vergangenen Mittwoch vor Gericht. Das Argument, dass er den Fernseher lediglich zum Abspielen seiner selbstgedrehten Videos nutze, konnte den Richter jedoch nicht überzeugen. Er entschied mit Verweis auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes: Wer ein Fernsehgerät hat, muss zahlen.
Den Fernseher zu verschenken, kommt für Käseberg nicht in Frage. “Das muss so sein”, sagt er über seinen Protest. Auch wenn es ihm um den schönen Fernseher leid tue. “Der war ja noch gut. Aber ich habe den Krieg nicht gewollt.” Ganz zertrümmern will er das Gerät allerdings nicht: “Das Gehäuse bleibt ganz. Daraus mache ich eine Bar”, verrät er.
Konsequenzen muss Käseberg wegen seiner ungewöhnlichen Aktion übrigens nicht befürchten. “Die Zerstörung seines Eigentums steht jedem frei”, sagte gestern Polizeipressesprecher Volker Pieper. Voraussetzung sei, dass man dabei keinen Straftatbestand erfülle und weder sich noch andere in Gefahr bringe. Beides war nicht der Fall - und auch die Scherben hat Käseberg fein säuberlich aufgesammelt.
Dass weder der Hessische Rundfunk noch Vertreter der Gebühreneinzugszentrale vor Ort erschienen sind, macht dem Elbenberger nichts aus. Im Gegenteil, er äußert sogar Verständnis: “Die kommen doch nicht zu ihrer eigenen Beerdigung”, betont er und fügt hinzu: “Schließlich haben die einen Gebührenzahler verloren - für immer.” Auch das sagt er mit großer Genugtuung.
Kein Bild, kein Ton: Werner Käseberg
zertrümmerte seinen Fernseher
Bild durch anklicken vergrößern
Text und Bild von Frerk Schenker-HNA-
Diesen Beitrag drucken
29. September, 2007 um 08:12
Na das nenne ich mal konsequent. Respekt!!
Es hätte aber auch gereicht, das Empfangsteil unbrauchbar zu machen, um einen GEZ-freien Fernseher zu besitzen. Videos schauen ist dann trotzdem noch z.B. über Scart möglich.
Dummerweise besitzen auch Videorekorder üblicherweise ein Empfangsteil. Für einen GEZ-freien Haushalt wird Herr Käseberg gegebenenfalls noch einmal den Hammer schwingen müssen.
29. September, 2007 um 08:12
Saubere Aktion - Der Mann zeigt die von den öffentliche rechtlichen Anstalten so vermisste Zivilcourage! Zwar nicht gegen Gewalt auf der Straße, aber gegenüber der Gewalt und Zwangsausübung auf den Bürger durch den ÖR. Gehört in die Rubrik “Helden des Alltags”!
Es wird Zeit, dass dieses Gebührenzwangssystem reformiert wird. Dies aber nicht mit einer weiteren Zwangsabgabe, wie z.B. einer Medienabgabe, sondern durch Decodertechnologie. Das allein gibt dem Bürger die Entscheidung darüber, ob er den ÖR sehen möchte oder nicht. Es scheint mir die einzige Möglichkeit, wie man als Bürger auf den ÖR einwirken kann. Derzeit geschieht dies nur durch Quotenermittlung. Der falsche Weg! Da bekanntlich meist nur das Seichteste gute Quoten erzielt. Das kann nicht die Messlatte sein.
Eine Alternative wäre z.B. auch, einen bundesweiten Sender für die “Grundversorgung” offen zu lassen und den Rest zu verschlüsseln. So viel Rundfunk wie er derzeit von den ÖR geboten wird, braucht kein Mensch. Immer mehr,mehr, mehr ist die Devise der Öffentlich Rechtlichen. Ein Faß ohne Boden!
Ich hoffe sehr für Herrn Käseberg, dass es zu keiner Medienabgabe kommen wird. Dann müßte er doch wieder zahlen für einen Rundfunk, den er so nicht möchte.
Jochen Ortwein
http://www.gebuehrenstop.de