Neuer Betreiber will Elbenberger Seniorenresidenz am Türmchen nach Turbulenzen wieder auf Kurs bringen

Wollen die Seniorenresidenz in Elbenberg aus der Krise führen: Geschäftsführer Michael Becker (links) und Unternehmer Thomas Zenthin.
© Foto: Norbert Müller

 

Auf dem Weg in ruhiges Fahrwasser

Für die Bewohner der Elbenberger Seniorenresidenz Haus am Türmchen, deren Angehörige und die Beschäftigten sorgte die Nachricht für erhebliche Unruhe: Erneut ist die Einrichtung, die in den frühen 70er-Jahren von der Familie Hahn eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut wurde, in Schieflage geraten. Seit die Familie Hahn das Pflegeheim 2022 an die Deutsche Pflege Immobilien GmbH (DPI) verkauft hat, rutschte Mitte Juli bereits der vierte Betreiber in die Insolvenz.

Die Lage spitzte sich im vergangenen Monat zu: Wie das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege auf Anfrage bestätigte, hatte die Betreuungs- und Pflegeaufsicht (BPA) beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales in Kassel mit Bescheid von Anfang August der Betreiberin der Seniorenresidenz die Fortführung des Betriebs ab dem 15. August untersagt. Als Betreiberin zu diesem Zeitpunkt nennt die Behörde die Prosumus Life GmbH mit Sitz in Dortmund, für die am 16. Juli ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wurde.

Zu einer Schließung kam es dann aber nicht. Dazu teilt Susanne Andriessens vom Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege weiter mit: „Das Verwaltungsgericht Kassel hatte mit Beschluss von Mitte August 2026 im Eilrechtsverfahren jedoch die aufschiebende Wirkung zu dem eingelegten Widerspruch angeordnet. Das bedeutet, dass der Betrieb bis zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung weitergeführt werden kann.“ Zu den Gründen für die Betriebsuntersagung sagt sie: Der Alten- und Pflegeheimbetrieb „hat Anforderungen nach dem Hessischen Gesetz über Betreuungs- und Pflegeleistungen nicht erfüllt“. Widerholt seien bei Prüfungen der Einrichtung durch die Betreuungs- und Pflegeaufsicht „fortbestehende Mängel festgestellt worden“. Trotz „umfassender und wiederholter Beratung durch die BPA“ habe die Einrichtungsbetreiberin „die festgestellten Mängel nicht, nur unvollständig oder lediglich oberflächlich behoben“.

Seit 1. September ist laut Thomas Zethin, dessen Deutsche Pflege Immobilien GmbH das Elbenberger Heim vor vier Jahren kaufte, die Deutsche Senioren Residenzen GmbH (DSR) Betreiber der Einrichtung. Die DSR gehört ebenfalls zu Zethins Unternehmensgeflecht. Thomas Zethin fasst die Ursache für die aktuellen Probleme so zusammen: „Die Mieter, die hier drin waren, also die Betreiber, haben sich nicht ordentlich gekümmert und sind am 16. Juli pleitegegangen.“

Der 61-jährige Jurist und Unternehmer hat sich zum Ziel gesetzt, das Elbenberger Pflegeheim nach den jüngsten Turbulenzen wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen und weiterzuentwickeln. „Ich nehme es jetzt selbst in die Hand und traue mir das auch zu“, betont Zethin. Seine Zuversicht gründet sich auch auf den neuen Geschäftsführer, den er für das Projekt gewinnen konnte: Michael Becker. Er beschreibt ihn als erfahrenen Interimsmanager im Bereich der Führung von Pflegeeinrichtungen. Der „Troubleshooter“ habe dann auch gleich in der Einrichtung Quartier bezogen, um möglichst nah an den Abläufen zu sein. Zethin selbst ist einmal pro Woche vor Ort, inklusive Übernachtung.

Und damit unterscheide man sich schon in einem ganz wesentlichen Punkt von dem vorherigen Betreiber. „Die Führungsebene war nur sporadisch da, es waren damit keine Ansprechpartner im Haus, selbst bei manchen Begehungen der Pflegeaufsicht“, beschreibt Michael Becker einen zentralen Mangel. Seit November 2025, so Becker weiter, habe es vier Überprüfungen der Heimaufsicht gegeben „mit entsprechenden Hinweisen, dass es Probleme im Bereich Geschäftsführung und im Bereich der Pflege gibt“. Auch die Dokumentation sei „suboptimal“ gewesen. Dem Pflegepersonal machen beide keine Vorwürfe, es habe unter den damaligen Gegebenheiten sein Bestes gegeben. Aber grundsätzlich brauche es auch „Anleitung und Schulung“. Der neu eingestellte Pflegedienstleiter, der gleichzeitig auch Qualitätsbeauftragter sei, spiele deshalb eine wichtige Rolle. Auch mit seiner Unterstützung werden die Mängel „tiefgreifend und nicht oberflächlich“ beseitigt. „Wir geben proaktiv der Heimaufsicht einen Wochenbericht und teilen mit, welcher Mangel wie abgestellt wird“, sagt Thomas Zethin. Geschäftsführer Becker versichert: „Wir wissen, was wir zu tun haben. Ich bin zuversichtlich, dass es dieses Mal funktionieren wird.“

Das werden Personal und Bewohner gerne hören. Das Haus mit seinen 81 Plätzen in der vollstationären Pflege hat laut Zethin aktuell 40 Bewohner. „Wir werden bald wieder bei 50 sein. Wir werden uns dann mit der Heimaufsicht zusammensetzen, um weiter nach oben zu kommen.“ Aktuell sind 50 Personen im Haus in Teil- und Vollzeit beschäftigt, davon 30 in Pflege und Betreuung.

Inzwischen habe man bei der Betreuungs- und Pflegeaufsicht einen Antrag auf Fortführung des Betriebes gestellt. Außerdem wurde die AOK, die federführend für die Kostenträger für den Versorgungsvertrag zuständig ist, mit den notwendigen Unterlagen versorgt, erklärt Thomas Zethin. Sobald beide ihr Okay geben, sagt Thomas Zethin, wäre die gegenüber dem vorherigen Betreiber ausgesprochene Betriebsuntersagung vom Tisch.

Bericht und Bild: Norbert Müller HNA

HNA Bericht vom 15. Septemberg 2026